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SPANIELS FÜR DIE JAGD - WILLKOMMEN BEIM JAGDSPANIEL-KLUB e. V.

„Weihnachtsglocken“ im Mais”

Es war 3 Tage vor Weihnachten und wir hatten fast Vollmond. Der versprochene Wildschweinbraten war immer noch nicht in der Truhe. Ich hatte in diesem Jahr so viele Nachtansitze hinter mir, aber leider war mir Diana nicht gut gesonnen. Heute war fast die letzte Gelegenheit, die Bestellungen sicher zu stellen.

Wir hatten Hochnebel, das Thermometer im Auto zeigte -6°C und die Mondhelligkeit war hervorragend. Auf dem Weg ins Revier ließ ich beim Öffnen der Schranke wie immer Mo, meinen 10jährigen Cocker eine kleine Runde drehen, denn auch er sollte ja die ganze Nacht im Auto warten, bis ich ihn eventuell brauchen würde.

In der Nähe der Kanzel am Maisfeld zog ich mich für eine lange kalte Nacht an. Ich ging langsam über die bereits geerntete Fläche hin zur Wagenkanzel. 30 Meter vor der Kanzel vernahm ich Geräusche im Mais. Ich blieb stehen, nahm mein Glas und sah 2 Sauen in ca. 70 Metern vor mir von einer Maisfläche durch den Graben in die andere Maisfläche wechseln.

Das waren 2 Keiler vermutlich ein 3-jähriger und ein starker Überläufer. Sie waren aber so schnell auf den Läufen, dass ich sie nicht mehr ins Zielfernrohr bekommen konnte. So ein Mist, hätte ich Mo nicht mehr raus gelassen und wäre gleich durchgefahren, dann hätte ich sicher einen von beiden strecken können. Aber wenn hätte kommt, ist haben zu spät.

Wenn die Sauen in gleicher Richtung weiterziehen würden, dann könnte ich versuchen, einen von beiden noch von der Galakanzel aus zu strecken. Aber ich müsste mich beeilen, denn bis dahin waren es noch 300 m. Also machte ich mich so schnell und geräuschlos wie möglich auf die Socken. Ich spürte schnell, dass ich dafür viel zu dick angezogen war. Als ich den Graben am Bestand erreichte, hörte ich eine Sau im Mais blasen und dann gingen beide ab in die von mir erhoffte Richtung. In der Annahme, dass sie trotz meiner Störung noch im Mais hier und da verweilen würden, legte ich noch einen Gang zu. An der Kanzel angekommen, „enterte“ ich sie, öffnete oben leise alle Luken und machte mich zum Schuß bereit. Es dauert nicht lange, da stand der Große auf der Schneise und äugte in meine Richtung. Er war also mit der Gefahr, die von der Kanzel ausging vertraut. Ich legte an, schaltete den Leuchtpunkt zu und hatte die nun quer stehende Sau so richtig schön im Visier. Die Freude währte nur wenige Sekunden, denn meine Brille beschlug so stark, dass ich gar nichts mehr sehen konnte. Verdammte Schei…  Als ich ohne Brille schießen wollte, war die Sau weg.

Ich dampfte förmlich aus mir raus. Das schnelle Gehen war doch nicht so gut gewesen. Ich riß meinen Reißverschluß und die Knöpfe auf, mein Hut flog auf den Boden. Ich wischte die Brillengläser trocken und sah wieder durchs Fernglas. Da erschien die kleinere Sau auf der Schneise. Ich legte erneut an und wieder beschlug die Brille. Ich hätte toben können. Auch diese Sau kam davon.

Na gut, es war ja erst um 21.30 Uhr, sehr früh am Abend und die Nacht ging ja erst los.

30 Minuten später kamen 2 Sauen vom Nachbarrevier rüber. In einer Schneise im Mais kamen sie auf die Kanzel zu. Und zogen dann in einer Entfernung von ca. 120 Meter im rechten Winkel durch den Mais weiter nach rechts. Ich konnte sie sehr gut verfolgen. Die erste Sau hatte die Größe eines Überläufers aber die 2. war riesig. Das mußte der große Keiler sein, von dem schon mehrfach die Rede war. Ich bekam ihn nur einmal kurz ins Zielfernrohr, dann war er im Mais verschwunden. Das war vielleicht gar nicht mal so verkehrt, denn er war mit Sicherheit rauschig und damit unverwertbar.

Zum gleichen Zeitpunkt hörte ich aus Richtung der weißen Kanzel 300 m von mir entfernt ein Quieken von mehreren Frischlingen. Da ging wohl die Post ab. Die Keiler zogen genau in diese Richtung. Die Bache war wohl ihr Begehr.

Tja da zogen sie nun hin meine erhofften Keulen und Braten. Viiiiieeeer an der Zahl. 

Aber - ich habe den „Dicken“ - garantiert ein Hauptschwein - wahrhaftig vor mir gehabt.

So sann ich noch eine Weile über die verpassten Chancen, als gegen 22.00 Uhr in der Schneise erneut eine einzelne Sau erschien. Mittlerweile ausgedampft, zog ich mit meiner Sauer mit der Sau mit. Die Sau sicherte lange, ehe sie die nächste Schneise betrat. Da, wo eben noch der starke Keiler stand, bekam ich sie in den Leuchtpunkt. Sie stand quer und ich ließ die Kugel fliegen. Ein Zeichnen konnte ich nicht erkennen. Ich wechselte sofort zum Fernglas und sah, dass die Sau erst nach rechts abging, dann im Mais einen Bogen nach links schlug und auf der Schneise erneut verweilte, ehe sie im Mais wieder verschwand. Das hatte noch nichts zu sagen, denn ich hatte selber schon mehrere Sauen, die mit sauberem Schuß noch 50 Meter und weiter gezogen sind, ehe sie zusammenbrachen und den inneren Verletzungen erlagen. Sie sind sehr stark und haben einen enormen Überlebenswillen.

Ich verzichtete auf die übliche Zigarettenpause und baumte ganz ruhig ab, ging zum Auto zurück um mit meinem Mo den Anschuß zu untersuchen. Ich entledigte mich erst mal meiner zu warmen Kleidung, wechselte meine dicken Winterstiefel in Gummistiefel und fuhr wieder zur Galakanzel. Dort angekommen nahm ich das Zielfernrohr von der Waffe, legte meinem Schnuffel noch die gelbe Weste mit den reflektierenden Streifen an, schnappte mir den Strahler und begab mich zum Anschuß. Dort legte ich Mo ab und untersuchte den Anschuß nach Schweiß, Knochen oder Schnitthaar. Aber außer den Eingriffen im feuchten Boden konnte ich nichts finden. Weder am Boden noch an den Maispflanzen.

Das konnte nicht wahr sein! Ich war doch so gut abgekommen! Jetzt verstand ich die Welt nicht mehr. 4 Sauen musste ich ziehen lassen und bei der 5. finde ich keine Schußzeichen.

Bevor ich am kommenden Morgen eine Nachsuche machen musste, wollte ich Mo, der mir schon mehrere Sauen Nachts sicher verbellt hatte, zum Einsatz bringen. Eine Nachsuche nachts am langen Riemen wollte ich auf Grund schlechter Erfahrungen nicht allein vornehmen. Mo fieberte schon sehr und war nur noch schwer auf seinem Platz zu halten. Bedeutete doch ein Schuß von Herrchen für ihn immer Beute. Ich erlöste ihn von seinen „Leiden“ und befahl ihm „Such verwund“!

Mo nahm ohne lange den Anschuß zu untersuchen sofort die Fährte an und folgte ihr. Ab und zu ein kurzes „Jiff - Jiff „.

Dann, es dauerte nicht lange, aber es kommt einem wie eine Ewigkeit vor, da vernahm ich das heiß ersehnt Verbellen. Endlich Standlaut – die Sau liegt, ich habe getroffen.

Diesen Klang von meinem Todverbeller Moritz empfand ich im Moment schöner als jedes Weihnachtsläuten.

Ich eilte durch die Maisreihen zu Mo und der verendeten Sau. Da lag der Keiler nun mit mindestens 70 kg. Ich lobte Mo dass er sie gefunden hatte, aber das interessierte ihn nicht. Er nahm von seiner Beute Besitz. Ich konnte beruhigt zum Auto gehen, die Waffe gegen ein Seil tauschen, meinen Fotoapparat umhängen und meinen Jagdfreund Werner per Handy um Hilfe bitten.

Der Rest ist schnell erzählt. Ich quälte mich ganz schön bei der Bergung. Als ich sie aus dem Mais hatte, war ich mit meinen Kräften fast am Ende. Die Sau rutschte in jede Furche, die die Traktoren hinterlassen hatten und machte sich dort extra schwer. Dazu kam der schlammige Untergrund, der die Sau irgendwie festhalten wollte. Ich wartete am Maisrand auf Werner und wir zogen die Sau mit dem Seil und seinem Suzuki vom Feld. Es folgten das Aufbrechen und das Erstaunen. Ich fand zwar einen Einschuß, genau da wo ich ihn hin haben wollte, aber keinen Ausschuß. Das Projektil hatte sich beim Auftreffen auf einer Rippe zerteilt und die Lunge und Leber getroffen. Bis der Blutverlust den Kreislauf zum Stillstand gebracht hatte, konnte die Sau noch 80 m weit gehen.

Welch ein Glück für mich, der Keiler war nicht rauschig. Ich konnte ihn verwerten und was das Wichtigste war, der versprochene Weihnachtsbraten war gesichert.

Nun konnte ich mich entspannt auch auf die richtigen Weihnachtsglocken freuen.

 

Weihnachtserlebnis

Moritz mit Beute


 Letzte Aktualisierung
   13 Oktober, 2017

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